Donnerstag, 2. Juni 2016

Sonja Rüther: Tödlicher Fokus

Dieses Gefühl, heimlich beobachtet zu werden …. das Bedürfnis, sich ständig umdrehen zu müssen …. Bewegungen, die man aus dem Augenwinkel registriert … wer ist da? … alles nur Einbildung?
Natürlich ist alles Einbildung. In der Regel spielt einem die eigene Fantasie einen Streich und die Wahrscheinlichkeit einer Bedrohung ist doch sehr gering.
Aber was ist mit jemandem, der gestalkt wird? Für diese Person wird dieses ekelhafte Gefühl der Angst zu einem ständigen Begleiter und blühende Fantasie wird zur grausamen Realität.
Der aktuelle Thriller „Tödlicher Fokus“ von Sonja Rüther handelt von dieser Angst und dem, was extreme psychische Belastungen aus einem Menschen machen können.

Quelle: Briefgestöber
Worum geht es in diesem Thriller?
Ein Jäger weiß, wie man Hasen fängt: mit einer Schlinge, die das Opfer erst sieht, wenn es zu spät ist …
Für die junge Schauspielerin Marike geht ein Traum in Erfüllung, als sie ihre erste Filmrolle bekommt – noch dazu an der Seite des charmanten Top-Stars Lars Behring. Aber während sie vor der Kamera über sich hinauswächst, fallen nach Drehschluss dunkle Schatten auf Marike: Sie fühlt sich beobachtet, verfolgt, schutzlos. Noch ahnt Marike nicht, welcher Horror ihr bevorsteht … und wie er sie verändern wird!

Im Visier des Stalkers: Ein eiskalter Thriller über Machtspiele, Besessenheit und die Abgründe, die in unserer Seele lauern.

Sonja Rüther entführt den Leser mit ihrem Thriller in die Welt des Filmgeschäftes - einem Sammelsurium an Menschen, die es genießen im Blickpunkt der Öffentlichkeit zu stehen und sich selbst zu inszenieren.
Im Mittelpunkt der Handlung steht die naive und nette Marike, Theaterschauspielerin, die kurz vor ihrem Durchbruch im Filmgeschäft steht. Denn endlich hat sie die heiß ersehnte Filmrolle ergattert. Marike ist ein sehr unsicherer Mensch, sie braucht die Anerkennung anderer. Positive Kritiken versetzen sie ihn Hochstimmung, negative Kritiken reißen sie herunter und verstärken ihre eh schon reichlich vorhandenen Selbstzweifel. Sie ist ein gefundenes Fressen für Menschen, die gern Macht auf andere ausüben. So auch Jutta, die für sich die Rolle beansprucht, Marikes „beste“ Freundin zu sein und sie in ihrer Arbeit beim Film unterstützen möchte. Das Verhältnis zwischen den beiden Frauen durchläuft Höhen und Tiefen. Es gibt Momente, in denen Marike, das Zusammensein mit Marike und ihre Unterstützung genießt. Dann aber leidet sie unter der Unberechenbarkeit von Jutta, die Marike permanent manipuliert und dominiert. Und jede Kritik seitens Jutta nähren Marikes Selbstzweifel aufs Neue.
"Es stimmte, ihre Grenzen waren ständig überschritten worden, ohne dass sie auch nur ein Wort des Widerstands geäußert hätte. Vielmehr hatte sie sich größte Mühe gegeben, Erklärungen und Entschuldigungen für andere zu finden."
Marike möchte gern „everybody’s darling“ sein. Sie scheut die Konfrontation mit anderen und schafft es auch nicht, gegen Jutta aufzubegehren. Durch ihre Selbstzweifel neigt sie dazu, in jeder Kritik ein Fünkchen Wahrheit zu finden und ihre eigene Person somit immer in Frage zu stellen.
Die Filmrolle bedeutet für sie zunächst „der Himmel auf Erden“. Eine großartige Perspektive zeichnet sich für sie ab. Sie steht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Ihr Filmpartner ist der überaus gutaussehende Lars Behring, der natürlich – wie soll’s auch anders sein – bei Frauen nichts anbrennen lässt. Er hilft ihr durch ihre Unerfahrenheit im Umgang mit ihrer Popularität hindurch und unterstützt sie bei der Bewältigung ihrer Filmrolle. Lars Behring – ein netter und professioneller Schauspielkollege? Auf jeden Fall hat Lars breite Schultern zum Ausweinen.
Mit Beginn der Dreharbeiten gerät Marike in das Visier eines Stalkers. Die Bedrohung wird immer größer, die Angst wird zu Marikes permanentem Begleiter. Ihre Filmrolle und die damit verbundene Popularität nehmen Einfluss auf ihr Privatleben. Der Stalker trägt dazu bei, dass die bedrohte Marike nur noch herzlich wenig mit der Person gemeinsam hat, die sie vorher war.
"Ihre Fröhlichkeit erstarb und wurde durch das Gefühl ersetzt, das sie bereits zuvor am Abend gespürt hatte. Da war jemand in der Dunkelheit.

Das bildest du dir nur ein.

Sie versuchte ganz ruhig, den Schlüssel ins Schloss zu stecken. Ihr war nicht ganz klar, ob sie ihren eigenen Atem hörte oder den einer anderen Person. Ein leises Schaben erklang. Angst legte sich wie eine kalte Hand in ihren Nacken."
Sonja Rüther ist für mich mittlerweile eine Garantin für intelligente, außergewöhnliche und hochspannende Unterhaltung. Ich habe noch kein Buch von ihr gelesen, das mich nicht gefesselt hat. Sie versteht es, extreme Stimmungen zu transportieren. Bei „Tödlicher Fokus“ ist es dieses Gefühl der permanenten Bedrohung, das den Leser zum Fingernägelkauen bringt. Dabei ist sie sehr zurückhaltend, was Andeutungen auf den Verlauf der Handlung angeht. Man weiß nie, was passieren wird, rechnet mit dem Schlimmsten und wird doch überrascht, wenn die Geschichte eine Entwicklung nimmt, an die man im Traum nicht gedacht hat. Das gilt auch für die Charaktere. So ist es nicht ungewöhnlich, dass Personen, die man anfangs als nett empfunden hat, auf einmal Sympathiepunkte verlieren. Man wird misstrauisch. Jeder Charakter wird hinterfragt, denn jeder Charakter könnte „Dreck am Stecken“ haben. Als Leser traut man keinem mehr und verliert sich in Spekulationen.
"Es fiel ihr schwer, mit diesen Angriffen umzugehen. Sie war es gewohnt, dass sich Menschen ihretwegen wohl fühlten, nicht dass eine Freundin sie für egoistisch und vorteilsorientiert hielt. Diese kurzen Nachrichten machten etwas mit ihr, das sie nicht benennen konnte. Als ströme alle positive Energie direkt aus ihr heraus. Eine leckgeschlagene Seele."
Wer Sonja Rüther’s Thriller „Blinde Sekunden" gelesen hat, wird den darin ermittelnden Beamten Kommissar Rieckers in angenehmer Erinnerung behalten haben. Auch in „Tödlicher Fokus“ hat Herr Rieckers ein kurzes Intermezzo. Mittlerweile ist er im Ruhestand, besucht aber von Zeit zu Zeit seine alten Kollegen. Mit Rieckers Nachfolger Kommissar Dabels hat Sonja Rüther eine Figur geschaffen, die sich durch Eitelkeit und den Hang zur Selbstdarstellung negativ hervortut. Oftmals hat man den Eindruck, dass seine Aufklärungsarbeit sich nach einem möglichen positiven Effekt für seine Karriere richtet. Das macht ihn nicht gerade sympatisch, zumal sein Verhalten häufig inkompetent wirkt. Bei solch einem Ermittler sehnt man sich natürlich nach dem gemütlichen und souveränen Herrn Riecker zurück. Bei Herrn Dahlers gibt es also noch Entwicklungspotenzial und wer weiß, was mit der Zeit noch aus ihm wird. Denn ich nehme stark an, dass Dabels auch in weiteren Thrillern von Sonja Rüther zum Einsatz kommen wird. Diese Thriller lassen hoffentlich nicht lange auf sich warten;-)

Fazit:
Mit "Tödlicher Fokus" hat Sonja Rüther einen erstklassigen Thriller geschrieben, der durch eine fantasievolle Handlung mit unvorhersehbaren Wendungen besticht. Die Charaktere sind sehr facettenreich und nicht leicht zu durchschauen. Als Leser neigt man dazu, jeden Protagonisten in Frage zu stellen. Die „Hoch“-Spannung wird vom Anfang bis zum Ende gehalten und macht dieses Buch daher zu einem Thriller mit hohem Suchtfaktor***!

© Renie



*** Eine Sucht ist lt. Wikipedia
„… das unabweisbare Verlangen nach einem bestimmten Erlebniszustand. …“ Stimmt, man kann diesen Thriller nicht aus der Hand legen. Die Spannung ist kaum auszuhalten. Der Körper reagiert mit einem mordsmäßigen Adrenalinschub.
„Diesem Verlangen werden die Kräfte des Verstandes untergeordnet. …“ Nun ja, ich habe schon sehr aggressiv reagiert, sobald mich jemand beim Lesen gestört hat und hatte mit diversen Mordgedanken zu kämpfen. Ich bin sonst nicht so;-)




Tödlicher Fokus von Sonja Rüther, erschienen bei dotbooks
Erscheinungstermin: Juni 2016
ISBN: ebook 978-3-95824-528-0


Über die Autorin:
Sonja Rüther, geboren 1975 in Hamburg, betreibt in Buchholz/Nordheide einen Kreativhof („Ideenreich – der Kreativhof“) und den Verlag „Briefgestöber“.
Bei dotbooks veröffentlichte Sonja Rüther bereits die Thriller „Blinde Sekunden“ und „Tödlicher Fokus“, die Horror-Story „Eine Spur aus Frost und Blut“ sowie die von ihr herausgegebene Anthologien „Aus dunklen Federn“ und „Aus dunklen Federn 2“, in denen neben ihr auch Autoren wie Markus Heitz, Kai Meyer, Boris Koch und Thomas Finn ihre schwärzesten Seiten zeigen.


Die Website der Autorin und Herausgeberin: www.briefgestoeber.de
Die Autorin und Herausgeberin im Internet: www.facebook.com/sonja.ruther.1

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