Donnerstag, 20. April 2017

Sven Amtsberg: Superbuhei

Quelle: Pixabay / AmberAvalona
Nachdem ich die ersten Seiten aus Sven Amtsbergs "Superbuhei" gelesen hatte, war dieses Buch für mich bereits ein Kultbuch. Von dieser Meinung bin ich auch bis jetzt nicht abgewichen. Natürlich stellt sich mir die Frage, wie ich überhaupt darauf komme? Was macht einen Roman eigentlich zu einem Kultbuch? Gibt es diesen Begriff überhaupt? Welche Eigenschaften hat ein Kultbuch? Für mich könnten es diese hier sein, allesamt in "Superbuhei" zu finden:
  • ein ungewöhnlicher Protagonist, vorzugsweise als Ich-Erzähler, der mit seinem Leben hadert
  • ein Milieu, fernab von der "heilen Welt": Kneipe, Alkohol, Drogen, trostloses Umfeld
  • Nostalgie, in Form von Musik, die man in seiner Kindheit gehört hat
  • unzählige Klebezettel, die die beeindruckendsten Textstellen markieren und darauf hinweisen, dass der Autor sehr viel zu sagen hat
"Es stimmt schon, dass das Leben ohne Alkohol leichter ist. Es fühlt sich nur nicht so an." (S. 47)
Jesse Bronske ist der ungewöhnliche Protagonist und Ich-Erzähler aus "Superbuhei". Dass er mit seinem Leben hadert ist unbestreitbar. Der Mann hat wirklich Probleme, angefangen beim Alkohol bis hin zu Paranoia und Depressionen.
Er betreibt das "Klaus Meine", eine Kneipe in dem Supermarkt "Superbuhei" in Hannover. Man ahnt es, er ist Scorpions-Fan, insbesondere zu dem Sänger der Scorpions, Klaus Meine, verspürt er eine tiefe Verbundenheit. In der Kneipe läuft den lieben langen Tag die Musik der Scorpions - nichts anderes. Den Stammgästen - andere Gäste verirren sich nicht hierhin - ist dies egal. Ihnen liegt nur daran, in möglichst schneller Zeit einen Alkoholpegel zu erreichen, der das Leben für sie erträglicher macht. Das "Klaus Meine" öffnet morgens um 10 Uhr. Bis abends, zum Geschäftsschluss, haben die Stammgäste Zeit, sich die Kante zu geben, woran sie auch intensiv arbeiten.

Steht Jesse nicht hinter der Theke seines "Klaus Meine", lebt er mit Mona zusammen, einer Kassiererin aus dem Superbuhei. Beide wohnen in dem Haus von Monas verstorbenen Eltern. Home sweet home ist anders. Denn das Haus überzeugt eher durch Schmuddeligkeit als durch Heimeligkeit. Baufällig und marode steckt der Mief von zig Jahren in seinen Mauern. Das Haus ist vollgespickt mit Dingen, die Monas toten Eltern gehörten. Eine Käfersammlung und Monas Sonnenbank im Wohnzimmer, tragen ihr Übriges zum (Un-)Wohlfühlfaktor bei.
"Wir streiten oft. Vor allem sonntags, wenn der ganze Tag in seiner Ödnis und Weite vor uns liegt. Nicht selten habe ich dann das Gefühl, sie gäbe mir die Schuld für die Langeweile, so wie sie auch mich dafür verantwortlich macht, dass unser Leben nun einmal ist, wie es ist. Dass es nur wenig von den Filmen hat, die sie im ZDF zeigen. Unser Leben ist eher wie RTL II." (S. 84)
Man fragt sich, welche Zukunftsperspektive Jesse hat? Und so wie er sich in diesem Roman präsentiert, bleibt als einzige Antwort: "Gar keine". Sein Leben besteht aus Eintönigkeit und Durchschnittlichkeit. Es gibt keine herausragenden Ereignisse, die auf eine rosige Zukunft hoffen lassen. Jesse versucht, seinem Leben einen Sinn zu geben, indem er sich krampfhaft auf die Suche nach seinen verborgenen Talenten begibt, die seinem eintönigem Durchschnittsdasein einen tieferen Sinn geben sollen. Vom Tennisspielen bis hin zu schriftstellerischen Ambitionen war schon alles dabei. Gebracht hat es nur nichts.

Wenn die Gegenwart mies ist, die Zukunft auf nicht hoffen lässt, fragt man sich, was in Jesses Vergangenheit passiert ist, dass er sich in dieser Situation befindet.
Der Leser erfährt durch Jesse, dass er in kleinbürgerlichen Verhältnissen aufgewachsen ist. Die Familie Bronske bestand aus den Eltern, Jesse und seinem Zwillingsbruder Aaron. Die "Flucht aus der Eintönigkeit" schien auch ein Thema zu sein, das seine Eltern beschäftigt hat. Allerdings jeden für sich. Der Vater versucht sein Glück als erfolgloser Elvis-Imitator, die Mutter sucht ihr Glück bei einem anderen Mann.

Die Zwillinge sind bereits im jugendlichen Alter als die Mutter die Familie verlässt. Sie bilden eine eingeschworene Gemeinschaft. Jahre später hat sich die Eingeschworenheit jedoch in Luft aufgelöst. Jesse fühlt sich als Erwachsener von seinem Zwillingsbruder bedroht. Man fragt sich, wie es dazu gekommen ist, dass Jesse diesen Hass auf seinen Bruder entwickelt hat. Diese Frage könnte wahrscheinlich Aaron beantworten. Also wartet man als Leser auf das Erscheinen von Aaron. Dieser lässt allerdings auf sich warten. Die Bedrohung durch ihn ist zwar ständig präsent, aber eben nur die Bedrohung. Denn Aaron selbst bleibt im Hintergrund und nimmt zunächst persönlich keinen Einfluss auf die Handlung.
"Mutter hatte uns oft von Kain und Abel erzählt. Wir hatten ihr immer versprechen müssen, nie so zu werden. Was wir getan haben, trotzdem frage ich mich, was, wenn wir doch so werden würden, wer wäre dann wer? Bin ich der, der erschlägt? Oder der, der erschlagen wird?" (S. 44)
"Superbuhei" ist ein stimmungsgeladenes Buch. Es beginnt als lustiges Buch mit einem sehr skurrilen Humor. Man trifft auf viele Lebensweisheiten, die fast schon philosophische Ansätze haben. (Alcäus lässt grüßen: In vino veritas!) Dieser Humor wird von der unterschwelligen Bedrohung durch Aaron begleitet. Irgendwann kippt die Stimmung. Jesse zeigt plötzlich Verhaltensweisen, die den Leser an seinem Geisteszustand zweifeln lassen und seine Aussagen bezüglich seines Bruders in Frage stellen.

Zum Ende fragt man sich, ob man sich nicht tatsächlich in einem Thriller oder Horrorroman befindet. Denn dank Jesse und seinem merkwürdigen Verhalten wird die Stimmung unheimlich gruselig.

Sven Amtsberg lässt uns schließlich mit einem ganz fiesen Ende zurück - offen wie ein Scheunentor und mit ganz viel Raum für Spekulationen.

Noch eine Anmerkung zu dem Bezug zu den Scorpions. Der Sound dieser Band aus Hannover begleitet den Leser durch das komplette Buch. Mir ist der eine oder andere Song hier begegnet, dessen Melodie ich nicht aus dem Kopf bekommen habe. Allen voran natürlich das Gepfeife aus "Winds of Change". Sven Amtsberg hat auch die einzelnen Kapitel mit Songtitel der Scorpions versehen. Wer also bis dato nicht viel mit den Scorpions am Hut hatte, wird spätestens nach diesem Buch ein besonderes Augenmerk auf diese Band haben.

Beenden möchte ich meine Rezension mit der Wikipedia-Definition zu "Kultbuch"

Wikipedia sagt:
In einem Kultbuch wird das Lebensgefühl einer speziellen (meist jugendlichen) Gruppe besonders eindringlich widergespiegelt und von dieser Gruppe jeweils sehr geschätzt.
(Das trifft auf Superbuhei nur bedingt zu: widergespiegeltes Lebensgefühl einer Gruppe ja, von ihr geschätzt, definitiv nein)
Der Begriff hat sich in den 1970er Jahren im (west)deutschen Sprachgebrauch herausgebildet und ist die analoge Bildung zum Kultfilm. Kultbücher gelten als unverwechselbare Werke (das ist Superbuhei definitiv), sind auf eine bestimmte Leserschaft ausgerichtet (stimmt, Superbuhei ist kein Mainstream-Buch) und können zu Bestsellern werden (das hoffe ich doch). .......

Für mich hat "Superbuhei" definitiv das Zeug zu einem Kultbuch. Daher gibt es von mir natürlich auch eine Leseempfehlung!

© Renie



Über den Autor:
Sven Amtsberg, geboren 1972 in Hannover, lebt in Hamburg und ist Autor, Veranstalter und Moderator diverser Entertainmentformate.
Er betreibt das Autorendock, eine private Autorenschule, an der Dozenten wie Juli Zeh, Clemens Meyer oder Tilman Rammstedt Seminare geben. Für das Hamburger Abendblatt schrieb er die wöchentliche Kolumne "Amtsbergs Ansichten". Zuletzt erschien sein Erzählband "Paranormale Phänomene. Fast wahre Geschichten", nun folgt mit "Superbuhei" sein Romandebüt. (Klappentext)

Montag, 17. April 2017

Christine Wunnicke: Katie

Quelle: Pixabay / Mysticsartdesign
"Eine herrlich übersinnliche Geschichte, und das Beste: Es ist alles wahr. Wirklich."
Florence Cook, die Protagonistin dieses Romanes, war zu ihrer Zeit ein berühmtes Medium. Ein Medium bezeichnet eine Person, die bei einer spiritistischen Sitzung oder Séance in Kontakt mit Toten oder Geistern treten und deren Nachrichten aus dem Jenseits ins Diesseits übermitteln kann. Dies geschieht, indem das Medium von dem Toten oder Geist "besessen" wird ("Poltergeist" lässt grüßen). Der Tote spricht nun durch das Medium zu den Teilnehmern der Séance im Diesseits. Es gibt allerdings auch Tote und Geister, die zu schüchtern sind, um mit der Nachwelt zu plaudern. Diese wissen dann durch Stühlerücken, schwebender Gegenstände oder ähnlichem zu beeindrucken. Man mag es glauben oder nicht, doch unterhaltsam ist es alle Male. Zwischen 1850 und 1890 boomten die Séancen. Sie fanden im kleinen intimen Kreis statt oder wurden als Massen-Event gestaltet. Ein Star der Londoner Szene war in dieser Zeit Florence Cook.
Von Florence handelt dieser ungewöhnliche Roman von Christine Wunnicke. Stellt sich nun die Frage, wer "Katie" ist und welche Rolle sie in dem gleichnamigen Roman spielt. 
"'Ihre Florrie wird eine Hübsche werden", hatte der Arzt zu Mutter gesagt, und es hatte bedrohlich geklungen. Kaum eine ist hübsch, wusste Florence, dass sie deshalb berühmt wird. Und wenn doch, geht es moralisch schief. Das heißt dann 'berüchtigt'." (S. 15)
Katie ist eine ungewöhnliche Frau mit einer strahlenden Erscheinung. "Ungewöhnlich" - weil sie schon lange tot ist; "strahlende Erscheinung", weil sie als ebendiese im Diesseits erscheint. Aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen hat sie sich Florence als Medium ausgesucht und geistert nun im viktorianischen puristischem London umher. 
Quelle: Kirchner PR/Berenberg

Florence (oder Florrie) ist ein junges Mädchen aus behütetem Elternhaus, das die Rolle des Mediums in Perfektion beherrscht.

Einen großen Anteil an ihrem Ruhm hat ihre ehrgeizige Mutter, die schnell erkennt, dass Florries Talent sehr lukrativ sein kann.

So groß der Hype um die parapsychologische Szene auch war, gab es natürlich auch Zweifler. Insbesondere Wissenschaftler versuchten, diese übersinnlichen Veranstaltungen entweder als Humbug zu entkräften oder einen Beweis für die Echtheit der Erscheinung zu finden. Einer davon war Sir William Crookes (man beachte die Namensähnlichkeit zu Florence Cook). Crookes war britischer Physiker, Chemiker, Wissenschaftsjournalist und Parapsychologe - also durchaus ein Fachmann auf dem Gebiet der Geistererscheinungen. Anfangs ein Skeptiker, hat er sich in seinen letzten Lebensjahren vom Spiritismus begeistern lassen. Ob Florence /Katie ihren Teil dazu beigetragen haben, den Wissenschaftler zu überzeugen? Denn in Christine Wunnickes Roman treffen Crooke und Florence aufeinander, als der, bis dahin erfolglose Wissenschaftler, mit einem Gutachten über Florence und ihre Glaubwürdigkeit beauftragt wird. Als Forschungsobjekt von ihrer Mutter zur Verfügung gestellt, zieht Florence in das Haus des Forschers, wo sie am Crookesschen Familienleben teilnimmt. 
"Crookes merkte, wie sein Hals zu schwellen begann. Dies geschah ihm in letzter Zeit öfter. Er wusste nicht, ob es Zorn war oder sein inneres, ängstliches Abdrücken der Luft. Er schätzte, den Spiritismus nicht sehr. Nur wenig hatte er bislang darin dilettiert, kaum drei-, viermal selbst gesessen. Doch in Gelehrtenkreisen war ihm nicht zu entkommen." (S. 27)
Sir William Crookes sieht Florrie als Möglichkeit, aus seinem Forscherdurchschnittsdasein herauszukommen. Auf die eine oder andere Weise will er Ruhm erlangen. Entweder als derjenige, der Florrie als Betrügerin entlarvt oder als derjenige, dem es gelingt, das Geheimnis einer Geistererscheinung zu lösen.

Zusammen mit Florrie zieht auch Katie in das Haus der Familie Crookes ein. Hier geistert sie umher und beglückt die Bewohner des Hauses auf die eine oder andere Art. Katies Biografie liest sich wie ein Abenteuerroman. Sie war zu Lebzeiten eine sehr sinnliche Frau, was sie auch als Tote nicht abgelegt hat. Insbesondere die männlichen Bewohner des Wissenschaftlerhaushaltes erleben Katie von dieser ganz besonderen Seite.

Ist sie nun Wirklichkeit, eine Ausgeburt der Fantasie oder fauler Zauber? Crookes gibt alles, um diesem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Und auch als Leser ist man sich nicht sicher, was es mit der strahlenden Erscheinung von Katie auf sich hat. Auch bei Florrie hat man große Zweifel. Einerseits sieht man sie als kindliches Opfer, von ihrem Umfeld ausgenutzt, allen voran natürlich ihre ehrgeizige Mutter. Andererseits erstaunt sie aber durch ihre unberechenbaren Handlungen. Liegt ihre Unberechenbarkeit an einer tatsächlichen Besessenheit durch den Geist Katie oder an ihrer Durchtriebenheit? Oder gar an einer psychischen Erkrankung? Man weiß es nicht, wird es auch bis zum Ende dieses Romanes nicht in Erfahrung bringen. 
"Zuschauer waren aufgesprungen und strebten zur Bühne. Sie reckten die Hände nach Katie. Sie lächelte. Ihre Zähne strahlten. Sie neigte sich ein wenig vor und näherte ihre Hände den Händen der Zuschauer, ohne sie indes zu berühren. Die Geste hatte etwas Spöttisches, etwas Segnendes, etwas sehr Hübsches an sich." (S. 151)
Dieser Roman ist mit all seiner Übersinnlichkeit ein sehr lustiger Roman, was auf die Gestaltung der Charaktere zurückzuführen ist. 
Christine Wunnicke versetzt uns in ein Kabinett der Skurrilitäten. Keiner ihrer Charaktere erzeugt Sympathien. Bestenfalls für Florence empfindet man Mitleid, das sich jedoch in Grenzen hält. 
Fast schon süffisant macht die Autorin sich über ihre Charaktere lustig. Das ist ansteckend und hat einen sehr hohen Unterhaltungswert. 

Mein einziger Kritikpunkt an diesem Roman bezieht sich auf den Sprachstil: Im Großen und Ganzen konnte mich Christine Wunnicke durch ihren locker-leichten Sprachstil überzeugen. Allerdings versucht sie in einigen Passagen dieses Romanes dem wissenschaftlichen Charakter gerecht zu werden. Insbesondere in den Szenen um Crookes schmückt sie ihren Sprachstil mit wissenschaftlichen Fachtermini aus, die mir zu viel des Guten sind. Dies mag an meiner fehlenden naturwissenschaftlichen Ader liegen. Leser mit einer entsprechenden Neigung werden mit Sicherheit ihren Spaß daran haben. 

© Renie




Über die Autorin:
Christine Wunnicke, geboren 1966, lebt in München. Sie schreibt Hörspiele, biografische Literatur und Romane. 2002 erhielt sie für ihre Biografie des Kas­tratensängers Filippo Balatri, »Die Nachtigall des Zaren«, den Bayerischen Staatsförderungspreis für Literatur. Für den Roman »Serenity« bekam sie 2008 den Tukan-Preis. Ihr Roman »Der Fuchs und Dr. Shimamura« – ihr zweites Buch im Berenberg-Programm – war 2015 für den Deutschen Buchpreis nominiert (Longlist). (Quelle: Berenberg)

Mittwoch, 12. April 2017

André Milewski: Die Totentafel

Quelle: Pixabay/ESD-SS
Wer mich und meinen Blog kennt, weiß, dass meine zweite Leseheimat die Lesecommunity Whatchareadin ist. Hier bin ich schon auf viele Buch-Affine und somit Gleichgesinnte gestoßen. Bei Whatchareadin tummeln sich nicht nur Leser sondern auch Autoren. Einer davon ist André Milewski. Wir sind uns virtuell schon häufiger in diversen Threads begegnet. Auf der Leipziger Buchmesse trafen wir uns dann live und in Farbe. Hier hatte ich das Vergnügen, Andrés aktuellen Thriller "Die Totentafel", den er kurz zuvor veröffentlicht hat, kennenzulernen. Und eines ist schon mal klar: aus diesem Lesestoff werden in Hollywood Filme gedreht.


„Die Totentafel“ ist ein Thriller, dessen Handlung uns nach New York führt, genauer: ins  Metropolitain Museum of Art, noch genauer: in die ägyptische Abteilung dieses Museums.

Der Einstiegsmord dieses Thrillers ist schon sehr spektakulär. Der Mörder hat sich  Anregungen für seine Tat scheinbar beim ägyptischen Totenkult gesucht. Der Tote ist ein Archäologe des Museums. Natürlich bleibt es nicht bei der einen Leiche. Die Aufklärung des Verbrechens übernimmt Detective Heather Rollins. Zusätzlich zu dem Kriminalfall macht André Milewski einen zweiten Handlungsstrang auf: Detective Heather hat sich von ihrem Mann und Kollegen David getrennt. Momentan steuern beide auf eine schmutzige Scheidung zu. Heather und ihr Noch-Ehemann tragen den Scheidungskrieg nicht nur vor Gericht aus. Der Konflikt überträgt sich auch auf ihre Arbeit, so dass aus ehemaligen Kollegen erbitterte Feinde geworden sind.
"Blut fehlte. Das war das Erste, was Heather auffiel, als sie am Tatort ankam. Eine dünne Schneeschicht bedeckte den Boden, der immer noch jungfräulich weiß schimmerte." (S. 7)
Der Thriller wird aus der Sicht von Heather erzählt. Kurzzeitig gibt es jedoch einen Wechsel in der Erzählperspektive. Und hier hat sich André Milewski ein besonderes Schmankerl einfallen lassen: Der Leser schlüpft in die Rolle des Täters und verfolgt dadurch dessen Gedankengänge oder nimmt teil an seinen Gesprächen. Trotzdem lässt sich nicht vorhersagen, wer der Täter ist. 

Die Handlung wird von einer permanenten unterschwelligen Spannung begleitet, die allein schon dem Szenario geschuldet ist: New York im Winter, die ägyptische Abteilung im Museum, die Exponate, allen voran der Nachbau eines Tempels und natürlich die Totentafel, die eine wichtige Rolle in diesem Thriller spielt. Bei einigen Schlüsselszenen und natürlich beim Wechsel der Erzählperspektive auf den Täter steigt die Spannung extrem an.
"Heather atmete tief durch, drehte sich von der Säule weg und stellte sich direkt in den Durchgang zum Tempel. Das Licht hatte mittlerweile ins Bläuliche gewechselt. Langsam schritt Heather weiter auf den kleinen Tempel zu, dessen Eingang tiefschwarz vor ihr lag. Ihr Herz hämmerte in ihrer Brust. Sie war sich nicht sicher, ob dort in der Dunkelheit des Tempels der Schütze lauerte oder ob dieser bereits geflüchtet war." (S. 226)
Die Aufklärung des Verbrechens erweist sich als echte Überraschung. Die subtilen Spuren, die André Milewski während der Handlung auslegt, führen den Leser auf etliche falsche Fährten, so dass man am Ende durch die Enthüllung des Mörders völlig überrumpelt wird. 

Ich habe einen Kritikpunkt der Rubrik „Jammern auf hohem Niveau“: Ich hätte mir gern ausführlichere Informationen über die Totentafel gewünscht, dem Artefakt, das eine wichtige Rolle in diesem Thriller spielt. Als alter „Indiana Jones“-Fan hätte ich mir ein sagenumwobenes Geheimnis um diese Tafel gewünscht. Im Ansatz ist dieses Geheimnis vorhanden, lässt allerdings für meinen Geschmack zu viel Raum für Spekulationen.

Fazit:
Ein sehr gelungener Thriller, der durch seinen Aufbau und den Spannungsbogen überzeugt. Die Handlung durchläuft vom Anfang bis zum Ende eine unterschwellige Spannung, die sich jedoch in gewissen Schlüsselszenen und dem Wechsel der Erzählperspektive ins Extreme steigert. Hinzu kommt der interessante Charakter der Heather Rollins. Hier hat sich der Autor viel Spielraum für weitere Thriller mit ihr gelassen, die er hoffentlich auch noch schreiben wird. 

© Renie


"Die Totentafel" von André Milewski (CreateSpace Independent Publishing Platform)
ISBN: 978-1543281651



Montag, 10. April 2017

Anthony McCarten: Licht

Quelle: Pixabay/Flybynight
Mit seinem aktuellen Roman, der uns ins Amerika zum Ende des 19. / Anfang des 20. Jahrhunderts führt, ist dem neuseeländischen Autor Anthony McCarten ein bemerkenswertes "Licht" aufgegangen. Ich habe schon einiges von McCarten gelesen. Doch mit diesem Buch ist ihm ein besonderer Coup gelungen.

Dieser Roman konzentriert sich auf das Leben von Thomas Alva Edison."Licht" ist auch ein Buch der Konflikte und Widerstände:
  • Thomas Alva Edison (der mit der Glühbirne) vs. J. P. Morgan (der Banker)
  • Thomas Alva Edison vs. Nikola Tesla (der mit dem Wechselstrom)
  • Gleichstrom vs. Wechselstrom
  • Elektrischer Stuhl vs. Erschießen, Erhängen und ähnliche "humanere" Methoden zur Vollstreckung einer Todesstrafe
McCarten schafft das Kunststück, die wissenschaftlichen und technischen Informationen, die zwangsläufig zu einem Roman über einen begnadeten Erfinder und Naturwisschenschaftler gehören, auf sehr verständliche und unterhaltsame Weise zu vermitteln. Damit schafft er es, sogar Leser, die keine Affinität zur Naturwissenschaft haben, zu begeistern. 

Quelle: Diogenes
Im Mittelpunkt dieses Romanes steht die Beziehung zwischen J. P. Morgan und Thomas Alva Edison. Die beiden kommen zusammen, als Edison mit seinen Forschungen zur Elektrizität noch in den Anfängen steckt. Doch J. P. Morgan wäre nicht einer der erfolgreichsten Banker seiner Zeit, wenn er nicht den richtigen Riecher hätte, sobald ein lukratives Geschäft winkt. Er ahnt, dass Elektrizität die Welt verändern wird, und diese Veränderungen sollen sich auszahlen, vorzugsweise an ihn. Daher versucht er, Edison mit seinem Ehrgeiz und Geschäftssinn anzustecken. Edison, der seine Aufgabe als Wissenschaftler darin sieht, zum Wohle der Menschheit zu forschen, fühlt sich in der ihm zugedachten Rolle des geschäftstüchtigen Erfinders überfordert. Zunächst genießt er die Möglichkeiten, die ihm Morgans Investitionen bescheren. 
"'Damit, dass man die Welt verbessert, verdient man keine Geld. Nur mit ihrer Zerstörung.'" (S. 21)
Aber die Konkurrenz schläft nicht. Allen voran ist es Nikola Tesla, sein ehemaliger Assistent, der ihm den Rang des erfolgreichsten Wissenschaftlers streitig machen will. Edison sieht die Zukunft der Elektrizität im Gleichstrom. Tesla ist Verfechter des Wechselstroms. Edison fühlt sich bei der Ehre und seinem Stolz gepackt. Der Konkurrenzkampf der beiden Wissenschaftler eskaliert in dem Moment, als Edison den elektrischen Stuhl erfindet, den er mit Wechselstrom betreiben lässt. Somit bekommt Teslas Wechselstrom einen tödlichen Stempel aufgedrückt.

Während sich Edison und Tesla bekriegen, nimmt Morgan eine abwartende Rolle ein. Noch hält er zu Edison. Die Investitionen in dessen bisherige Arbeit sind einfach zu hoch. Doch Morgan ist ein Gewinner. Am Ende bekommt derjenige seine Zuwendung, der als Sieger aus dem Konflikt hervorgehen wird.

Edison war seit seiner Kindheit schwerhörig, was die Kommunikation mit ihm nicht einfach machte. McCarten stellt diese Schwerhörigkeit in den Vordergrund, schlachtet sie sogar aus und schon wird aus seinem Hauptprotagonisten ein sehr kauziger Charakter, der sich von seinen Mitmenschen anschreien lässt - aber bitteschön nicht lauter als 80 Dezibel. 

Edison ist hin- und hergerissen zwischen dem Streben nach Erfolg und seiner Weltanschauung, dass Wissenschaft zum Wohle der Menschheit dient. Doch er weiß durchaus die finanziellen Vorteile, die die Zusammenarbeit mit Morgan bietet, zu schätzen. Zeitweise versucht er sogar, Morgan nachzueifern. Er kleidet sich wie er, hält sich in den selben gesellschaftlichen Kreisen auf wie er und hat Spaß an den Annehmlichkeiten die das Luxusleben eines Millionärs mit sich bringt. Einzig Mina, Edisons zweite Ehefrau, (die erste starb 1847), weiß ihn zu erden. Ihre Kritik ruft ihm immer wieder in Erinnerung, mit welchen Motiven er als Wissenschaftler angefangen hat. Mina hält sozusagen sein Gewissen in Schach.
"'Du bist Erfinder. Du hast mir einmal gesagt, Gutes zu tun sei deine Religion. Weißt du das noch? Dass es dir darum geht, die Welt zu verbessern? Und ein solcher Mann, der Mann, den ich geheiratet habe, der will nun ein Problem aus der Welt schaffen, indem er jemanden umbringt? So lösen wir jetzt Probleme, Thomas?'" (S. 267)
Morgan wiederum ist der Berechnende, der manipulativ auf seinen Schützling Edison einwirkt. Was er will, bekommt er am Ende. 
Auch der Bankier wird von McCarten nahezu als Witzfigur dargestellt: ein hässlicher alter Mann mit 2 Markenzeichen: einer riesigen Knollennase und einem Gehstock. 
Ein echtes Highlight war für mich das Zusammenspiel der beiden Männer. Da lässt McCarten so manches mal den Schalk durchblitzen. Man hat den Eindruck, dass zwei Charakterköpfe aufeinanderprallen, die einen Höllenspaß daran haben, sich gegenseitig auf die Nerven zu gehen. Aber man wird nie den Eindruck los, dass Morgan immer der Überlegene in dieser Beziehung ist. 
"Er kam an Touristen vorüber, die anstanden, um Eintrittskarten für die Besichtigung des Zellenblocks zu kaufen. Er blieb selbst an dem Kassenhäuschen stehen und las dort, dass man entweder eine Einzelkarte kaufen konnte, um durch Gucklöcher die Gefangenen in den Zellen zu beobachten, oder eine Karte, die außerdem am selben Tag auch noch für die Niagarafälle gültig war. Das 'Ein Tag im Gefängnis und am Wasserfall'-Angebot war ein großer Erfolg." (S. 270 f.)
Der Roman findet hauptsächlich auf 2 Handlungsebenen statt.

1. Edison ist über 80 Jahre alt und schon sehr gebrechlich. Er soll zum Ehrenbürger seines Geburtsortes Milan ernannt werden. Der ganze Trubel um seine Person ist ihm zu viel. Während der Reise nach Milan erinnert er sich an

2. seine Vergangenheit, insbesondere an seine Zeit als Forscher und Erfinder; an die Zeit mit Morgan und den Konflikt mit Tesla

Anthony McCarten ist seinem Schreibstil treu geblieben. Wie ich es von seinen anderen Romanen gewohnt bin, zeichnet sich sein Sprachstil auch hier durch Leichtigkeit und viel Humor aus. Der Autor scheint großen Spaß an seiner Geschichte über Thomas Alva Edison und J. P. Morgan gehabt zu haben. Man wird den Eindruck nicht los, dass er diesen Roman mit einem Lächeln im Gesicht geschrieben hat. Und dieses Lächeln überträgt sich auf den Leser.

Fazit:
Eine faszinierende Geschichte, die auf tatsächlichen Ereignissen basiert. Anthony McCarten gelingt es, die historischen und naturwissenschaftlichen Informationen auf sehr unterhaltsame Weise zu vermitteln. Ob die beiden Hauptprotagonisten tatsächlich so kauzig waren, wie der Autor sie darstellt, ist schwer zu sagen. Aber man glaubt es gerne, denn schließlich machen sie aus diesem Roman etwas ganz Besonderes. Leseempfehlung!

© Renie






Über den Autor:
Anthony McCarten, geboren 1961 in New Plymouth/Neuseeland, schrieb als 25-Jähriger mit Stephen Sinclair den Theaterhit ›Ladies Night‹, in der unautorisierten Filmadaption (›The Full Monty/Ganz oder gar nicht‹) eine der weltweit erfolgreichsten Filmkomödien. Es folgten weitere Romane, Theaterstücke sowie Drehbücher (u. a. zum internationalen Filmhit ›The Theory of Everything‹, Nominierung für die ›Beste Drehbuchadaption‹). Er lebt in London. (Quelle: Diogenes)

Dienstag, 4. April 2017

Kent Haruf: Unsere Seelen bei Nacht

Quelle: Pixabay / stux
Der Titel "Unsere Seelen bei Nacht" hört sich dramatisch an, könnte sogar der Titel eines spannenden Thrillers sein. Tatsächlich handelt es sich bei dem Roman von Kent Haruf um ein Entschleunigungsbuch. Keine Morde, keine Dramatik, kein atemberaubender Spannungsbogen! Dafür einfach nur eine wunderschöne Sprache, die eine berührenden Geschichte erzählt. Das ist wohltuende Entspannung für die Leserseele.

Die Protagonisten in diesem Roman - Louis und Addie - haben ihren Lebensabend erreicht. Die beiden kennen sich nur flüchtig aus der Nachbarschaft, beide sind verwitwet und leben allein. Ihre Kinder und Enkelkinder lassen sich nur selten blicken. Die Tage sind unausgefüllt, die Nächte sind lang und einsam. Man kann also nicht behaupten, dass sie ihren Lebensabend in vollen Zügen genießen. Denn alleine genießt es sich nicht so schön wie zu zweit. Also nimmt Addie Herz und Schicksal in die Hände und steht eines Tages bei Louis vor der Tür. Sie äußert eine merkwürdige, fast schon unanständige Bitte. Louis soll die Nächte bei ihr verbringen, in ihrem Ehebett, an ihrer Seite. Dabei möchte sie sich nur mit ihm unterhalten und ihre  Einsamkeit bekämpfen. Warum sie ausgerechnet ihn auswählt? Wahrscheinlich ist er der einzige Kandidat aus ihrem Umfeld, der für sie in Frage kommt: alleinstehend, in ihrem Alter, jemand, den sie kennt, da sie früher mit Louis Ehefrau befreundet war.

Louis lässt sich auf dieses Arrangement ein. Abends taucht er samt Pyjama und Zahnbürste bei Addie auf, morgens verlässt er ihr Haus wieder. Dazwischen wird geredet, über Sorgen und Probleme, die Vergangenheit, die verstorbenen Ehepartner, die Kinder und Enkelkinder. Langsam freunden sich die beiden an und irgendwann kommt der Moment, wo Louis nicht nur die Nächte mit Addie verbringt und sein Pyjama und seine Zahnbürste in Addies Haus Einzug finden.
"Ich finde es wundervoll, sagte sie. Es ist besser, als ich es mir erhofft hatte. Es ist so etwas wie ein Geheimnis. Mir gefällt die Freundschaft. Die Zeit, die wir miteinander verbringen. Hier im Dunkel der Nacht zu liegen. Das Reden. Dich neben mir atmen zu hören, wenn ich wach werde." (S. 104)
Quelle: Diogenes
Diese Geschichte könnte an dieser Stelle aufhören. Aber nicht jeder freut sich über das späte Glück der Beiden. Es sind noch nicht einmal Nachbarn und Bekannte, die den beiden ihr Glück nicht gönnen. Sie leben in Holt, einer amerikanischen Kleinstadt, die der Autor Kent Haruf eigens für seine Romane erfunden hat. Mit dem Begriff "Kleinstadt" assoziiert man Klatsch und Tratsch, auf den Louis und Addie anfangs auch stoßen. Doch sie lassen sich nicht davon beirren. Und die Reaktion der Nachbarn und Bekannten gibt ihnen recht. Holt hat sich mittlerweile daran gewöhnt, dass Louis und Addie als Paar unterwegs sind. Wer sich nicht daran gewöhnt hat, und wer mit aller Vehemenz gegen die Beziehung der beiden ankämpft, ist Gene, Addies Sohn. Er mag Louis nicht, abgesehen davon, dass er wahrscheinlich keinen Mann an Addies Seite mögen würde. Die Beziehung, die die beiden führen, empfindet er als ekelhaft und abartig. Es lässt sich schwer sagen, ob seine Aversion auf ein enges Verhältnis zu seinem Vater zurückzuführen ist und er deshalb keinen anderen Mann an Addies Seite duldet. Oder ob er ihr schlichtweg ihr Glück neidet, da er selbst vor dem Scherbenhaufen seiner Ehe steht. Auf jeden Fall kämpft er mit harten Bandagen, um Addie und Louis auseinander zu bringen. Ob ihm das gelingt? ....
"Wer hätte gedacht, dass wir in unserem Alter so etwas erleben. Dass noch längst nicht alle Veränderungen und Aufregungen hinter uns liegen, wie sich herausstellt. Dass wir noch nicht körperlich und geistig vertrocknet sind." (S. 163)
Der Autor Kent Haruf hat einen ganz besonderen Sprachstil. Man taucht in diese Geschichte ein und ist von Anfang an von der Klarheit und Einfachheit seiner Sprache verzaubert. Völlig schnörkellos vermittelt er die Gefühle, die Louis und Addie durchlaufen. Man leidet und freut sich mit den beiden: das Herzklopfen von Addie, als sie mit ihrem eigenartigen Vorschlag an Louis Tür steht, seine Verwunderung, die Annäherung der beiden, das langsame Wachsen ihrer Liebe, die Verzweiflung als es darum geht, um ihre Liebe zu kämpfen. Das alles vermittelt Kent Haruf mit wenigen klaren Worten, die jedoch punktgenau ins Herz treffen und den Leser in eine melancholische Stimmung versetzen.

Fazit:
Ein melancholischer Roman über die späte Liebe, erzählt in einem wundervoll schnörkellosen, aber gefühlvollen Sprachstil. Leseempfehlung!

© Renie







Über den Autor:
Kent Haruf (1943–2014) war ein amerikanischer Schriftsteller. Alle seine sechs Romane spielen in der fiktiven Kleinstadt Holt im US-Bundesstaat Colorado. Er wurde unter anderem mit dem Whiting Foundation Writers’ Award, dem Mountains & Plains Booksellers Award und dem Wallace Stegner Award ausgezeichnet. ›Unsere Seelen bei Nacht‹ ist sein letzter Roman und erschien in den USA kurz vor seinem Tod. (Quelle: Diogenes)

Freitag, 31. März 2017

Mário de Andrade: Senhorita Elsa



Der Münchner Verlag Louisoder hat immer ein ganz besonderes Händchen, wenn es um die Gestaltung seiner  Buchcover geht. So auch in diesem Fall. Die Dame, die uns von dem Cover des Buches "Senhorita Elsa" von Mário de Andrade anstrahlt, versprüht gute Laune und viel Temperament. Ich nenne sie mal klischeehaft eine rassige Brasilianerin. Die Dame muss la Senhorita Elsa sein.

Wie groß war meine Überraschung, als sich herausstellte, dass la Senhorita in Wirklichkeit Elsa Schumann aus Hamburg ist, die seit 20 Jahren in Brasilien lebt und sich allein durchs brasilianische Leben schlägt. 
Nachdem ihre Mutter gestorben ist, erhält sie von einer Tante, die seit Jahren in Brasilien lebt, die Einladung, zu ihr zu ziehen. Da Elsa nichts mehr in Deutschland hält, tritt sie die Reise an. In Brasilien lernt sie einen Deutschen kennen, die beiden heiraten kurz darauf. Das Glück dauert nicht lange, denn ihr Gatte lässt sie schmählich im Stich, nachdem er sich seiner Noch-Ehefrau in Deutschland erinnert und ihr den Vorzug vor Elsa gibt. Hier ist sie nun in der Fremde gestrandet, ohne Angehörige (die Tante ist mittlerweile verstorben), mittellos und ungeliebt. Arme Elsa.
"Es war schwer für sie gewesen, so allein in einem fremden Land und doch hatten die beschwerlichen Jahre sie zu einer Frau gemacht, die fieberhaft nach Wissen und Bildung strebte, die abgeschieden von ihrer Umgebung lebte und sich Zukunftsvisionen hingab." (S. 37)
Wie so viele Frauen der damaligen (und wahrscheinlich auch heutigen) Zeit, träumt sie immer noch davon, zu heiraten und Kinder zu kriegen. Sie sehnt sich danach, wieder nach Deutschland zurück zu kehren. Fehlt nur noch der passende Mann zu ihrem Glück. Der erste hat sich ja als Fehlgriff erwiesen. Ihr Zukünftiger muss natürlich Deutscher in Deutschland sein. In ihren Träumen existiert er bereits. Sie nennt ihren "Traummann" Karl. Doch es ist noch ein langer Weg bis zur Erfüllung ihres Traumes, zumal ihr das nötige Kleingeld für die Überfahrt nach Europa fehlt. Aber daran arbeitet sie. Vor einigen Jahren hat sie eine brasilianische Marktlücke entdeckt. Reiche Brasilianer geben viel Geld dafür aus, dass die Söhne der Familie auf den rechten Weg der Liebe verwiesen werden. Söhne sollen ihre ersten Liebeserfahrungen nicht in einem Bordell machen. Zu groß ist das Risiko für Leib und Seele. Stattdessen sollen sie behutsam in die Kunst der Liebe eingeführt werden. Hier kommt Elsa ins Spiel. Sie hat sich darauf spezialisiert, reiche Heranwachsende nach allen Regeln der Liebeskunst zu verführen, und diesen das Gefühl zu geben, unsterblich verliebt zu sein. Nachdem Elsa von einem fürsorglichen Vater engagiert wird, zieht sie als Kindermädchen und Hauslehrerin in den Haushalt der Familie. Sie unterrichtet die Kinder offiziell in Deutsch und Musik. Carlos, der Filius des Hauses, wird darüberhinaus inoffiziell in dem Fach "Liebe" unterrichtet, ohne, dass ihm dieses Arrangement bewusst ist. So lautet die Absprache mit dem Vater. Elsa lässt sich von Carlos erobern und gibt ihm das Gefühl, ein ganzer Mann zu sein.
Der körperliche Aspekt steht dabei gar nicht so sehr im Vordergrund. Vielmehr soll Carlos lernen, dass zur Liebe nicht nur der Körper, sondern auch Geist und Seele sowie Respekt  und Verantwortung gehören.
"Sie unterrichtete Kinder, junge Männer und hatte nie irgendwelche Selbstzweifel wegen der moralischen Implikationen, die ihre Unterweisungen mit sich brachten. Sie lehrte sowohl das Geistige als auch das Körperliche, keines existierte ohne das andere. So war es immer gewesen, und sie war rein, das wusste sie." (S. 35)
Anfangs tat ich mich mit diesem Szenario schwer. Lehrerinnen, die ihre Schüler verführen - ein Gedanke, der meine Toleranz an ihre Grenzen bringt. Doch mit der Zeit hat mich dieser Roman dann doch in seinen Bann gezogen. Elsa empfindet ihren Beruf als Berufung. Sie hat sich selbst Prinzipien auferlegt, von denen sie nicht abweicht und versucht mit großer Professionalität an ihre Aufgaben heranzugehen. Sie ist bemüht, sich nicht gefühlsmäßig von ihrem jeweiligen Schützling vereinnahmen zu lassen, was ihr jedoch nicht immer gelingt. Gerade in Carlos Fall schwankt sie zwischen Vernunft und tiefer Zuneigung.
Irgendwann ist jedes Engagement zu Ende. Welcher Vater möchte sie schon als Schwiegertochter haben? Eine Deutsche mittleren Alters, ohne gesellschaftliches Ansehen. Das ist auch nicht der Deal. Stattdessen wird sie nach Beendigung des Jobs in den nächsten Zug gesetzt, und man hofft sie nie wiederzusehen. Zurück bleibt ein von Liebeskummer geplagter Jüngling. 

Soviel zu dem sehr amüsanten und kuriosen Inhalt dieses Romanes. Die Komik wird noch durch einen weiteren Aspekt verstärkt. Der Autor Mário de Andrade geht nicht gerade respektvoll mit seinen Landsleuten um. Die Brasilianer bekommen ihr Fett weg. Das Bild, das er durch die Augen Elsas entstehen lässt, ist nicht sehr schmeichelhaft und bedient sich etlicher Klischees. Demgegenüber steht das Bild, das er von den Deutschen zeichnet, die nicht nur in der Person von Elsa dargestellt werden, sondern sich auch in einer sogenannten deutschen Gemeinde wiederfindet. Diese deutsche Gemeinschaft scheint generell aus Gestrandeten zu bestehen, die ihr Glück in Brasilien suchen, aber noch nicht gefunden haben. Daher vereint sie alle die Sehnsucht nach der Heimat, die sie durch regelmäßige Treffen ein Stück weit stillen wollen. Probate Mittel sind dabei das Lauschen zu klassischer Musik (deutscher Komponisten, versteht sich) und das gemeinsame Singen deutschen Liedgutes. Natürlich wird auch über die politische Situation in Deutschland diskutiert. Auch wenn man seit Jahren schon nicht mehr in Deutschland war, hat man doch eine Meinung. Man kann sich diese Treffen bildhaft vorstellen. Man spricht Deutsch und gibt sich der Heimatverbundenheit im Kollektiv hin. Natürlich wird auch die vermeintliche Überlegenheit der Deutschen gegenüber den Einheimischen in den Vordergrund gestellt. 

Der Autor Mario de Andrade benutzt dabei eine Sprache, die sich durch Leichtigkeit auszeichnet. Es ist als ob die Worte nur so aus ihm heraussprudeln. Der Autor hatte scheinbar großen Spaß, an seiner Geschichte. Und das ist ansteckend. Lesen mit einem Lächeln im Gesicht ist vorprogrammiert.
"Deutsche Männer, zumindest die, die in der Liebe nicht nur praktisch und wie Tiere vorgingen, gehorchten irgendwie den Naturgesetzen. Der Lateinamerikaner lässt sich auf den Wellen der Liebe treiben, während der Deutsche wie ein Punkt in der Liebe verharrte." (S. 241)
Elsa ist eine äußerst bemerkenswerte Frau. Welche alleinstehende Frau hätte in den 20er Jahren gewagt, sich allein durch ein fremdes Land zu schlagen? Selbst heutzutage würden sich nur wenige Frauen auf dieses Abenteuer einlassen. Elsa hat an ihrem Traum festgehalten - den einer Familie in Deutschland. Und darauf arbeitet sie hin. Da spielt es auch keine Rolle, ob sie in einer Männer dominierten Gesellschaft unterwegs ist, was Brasilien zu dem Zeitpunkt nun mal war. Unbeirrt geht sie ihren Weg, macht sich die Schwächen der Männer sogar zunutze. Mit der Marktlücke, die sie für sich entdeckt hat, übt sie natürlich einen Beruf aus, der moralisch fragwürdig ist. Letztendlich verkauft sie ihre Liebesdienstleistung für Geld, auch wenn es für den Leistungsempfänger nicht offensichtlich ist. Dennoch unterscheidet sie sich von den anderen Damen des käuflichen Gewerbes. Zum Einen weigert sie sich, die Liebe auf das Körperliche zu reduzieren. Sie will ihren Schülern vermitteln, dass deutlich mehr zur Liebe gehört. Dabei sind ihr Dinge wie Respekt und Verantwortung gegenüber dem Partner wichtig. 
Zum Anderen lässt sie sich gefühlsmäßig auf ihre Schützlinge ein. Sie kann nicht anders. Sie gibt nicht nur ihren Körper, sondern auch einen Teil ihrer Seele. Den Abschiedsschmerz, den ihre Schüler verspüren, sobald ihr Engagement beendet ist, ist ihr daher ein Stück weit bekannt. Das Loslassen fällt ihr schwer. ...

Es scheint, als ob mir das Loslassen auch gerade schwer fällt. Ich ertappe mich dabei, wie ich mich gerade immer intensiver mit dem Charakter Elsa beschäftige und mich in Gedanken über sie verliere. Daher ziehe ich an dieser Stelle einen Schlussstrich und beende meine Rezension.

Fazit:
Ein unterhaltsamer Roman von einem Autor, der Spaß daran hat, die Geschichte einer besonderen Frau mit einer besonderen Berufung zu erzählen und dadurch das Herz des Lesers im Sturm erobert. Leseempfehlung!

© Renie




Über den Autor:
Mário de Andrade, 1893 in São Paulo geboren und 1945 ebenda gestorben, war ein brasilianischer Schriftsteller und Musikforscher. Als Wunderkind am Klavier nahm er zuerst ein Studium am Musik-Konservatorium in seiner Heimatstadt auf, um später Gesang und Musiktheorie zu studieren. Gleichzeitig beschäftigte er sich intensiv mit Literatur und veröffentlichte1917 seinen ersten Gedichtband. 1927 entstand de Andrades erster Roman „Amar, Verbo Intransitivo“, der jetzt auf Deutsch bei Louisoder vorliegt. (Quelle: Louisoder)

Donnerstag, 23. März 2017

Bernd Schroeder: Warten auf Goebbels

Quelle: Pixabay/PDPics
In dem satirischen Roman "Warten auf Goebbels" von Bernd Schroeder wird - wie der Name schon sagt - gewartet, nicht nur auf Goebbels, sondern auch auf das Ende des 2. Weltkrieges. Wir befinden uns im Jahr 1944. Und während wir warten, lässt uns der Autor an den Dreharbeiten zu einem Propagandafilm teilhaben, dessen Drehbuch Goebbels geschrieben haben soll. Das munkelt man zumindest. Dieser Film soll rechtzeitig zum Ende des Krieges fertig sein, um dem heroischen deutschen Sieg über den Rest der Welt ein filmisches Denkmal zu setzen. Das ist zumindest der Plan....
"Höhepunkt des Films wird ein großes Siegesfest sein, mit allen verfügbaren Vereinen und Formationen und der Ehrung der Helden, mit Musik und einem Gastredner aus der Spitze der Partei. Wer das sein wird, teilt man rechtzeitig mit." (S. 21)
Irgendwo in der Lüneburger Heide, in einem kleinen Ort namens Altenburg, hat sich die Filmcrew einquartiert: Schauspieler, Regisseur, Produktionsleiter, nebst Assistenten sowie Kameramann, und wer sonst noch bei einem Filmdreh benötigt wird. Sie alle sind Deutsche von Goebbels Gnaden. Hitlers Propagandaminister hat eine Auswahl der - seiner Meinung nach - fähigsten Cineasten getroffen. Glücklich können sich diejenigen preisen, die er auserwählt hat, denn das Engagement bewahrt sie vor dem Einsatz an der Front bzw. vor dem Dienst in der Waffenindustrie. Es sind nicht unbedingt die Talentiertesten, die Deutschlands Filmwelt zu bieten hat, aber es sind Goebbels Liebsten, was Qualifikation genug ist.

Nicht alle sind von der Ideologie des Nationalsozialismus vereinnahmt worden. Kaum einer glaubt noch an den prophezeiten Endsieg Hitlers. Was zählt, ist, dass jeder, der zur Filmcrew gehört, in Sicherheit ist. Denn Altenburg kommt dem "Ort, in dem die Welt noch in Ordnung ist" im kriegsgebeutelten Deutschland noch am nächsten. Die Angriffe der Jagdbomber der Alliierten sind zwar lästig. Aber so, wie sie angeflogen kommen, verschwinden sie auch wieder. Die verursachten Schäden halten sich dabei in Grenzen, denn sicher gibt es lohnendere Ziele als ein Dorf irgendwo in der Heide.

Es geht das Gerücht, dass Goebbels der Verfasser des Drehbuchs ist. Im Großen und Ganzen geht es um die Heimkehr eines Soldaten von der Front, der wieder glücklich in den Schoß seiner Familie zurückkehrt. Deutschland steht kurz vor dem Endsieg und ist daher in Feierstimmung. Irgendwo hat sich Goebbels in das Drehbuch hineingeschrieben. Daher liegt die Vermutung nahe, dass der eitle Minister sich selbst spielen wird. Der Dreh der Goebbels-Szene wird hinausgezögert. Denn man wartet darauf, dass er endlich auftaucht.
"' ..., ob Goebbels wirklich hierherkommt, das steht doch ohnehin in den Sternen. Womöglich hat der doch in diesen Zeiten Wichtigeres zu tun. Obwohl, die Eitelkeit!'" (S. 117)
Quelle: Hanser
Nicht nur die Filmcrew wartet, der Leser wartet auch. Und in der Zwischenzeit wird dem Leser die Wartezeit mit einer satirischen Handlung versüßt, die viele komische Momente hat, aber auch nachdenklich stimmt.

Hauptsächlich konzentriert sich die Handlung auf die Filmarbeit. Es werden unterschiedliche Szenen gedreht, die sich zunächst kaum von der eigentlichen Handlung unterscheiden. Erst, wenn man ein paar Sätze gelesen hat, stellt man fest, dass man sich tatsächlich in einer Filmszene befindet. Die Filmcrew ist ein bunter Haufen eitler Charakterköpfe. Derjenige Charakter, der mir den größten Spaß bereitet hat, ist der Hauptdarsteller des Films: Karl Molitor, despektierlich Molli genannt. Der Autor Bernd Schroeder stellt ihn sehr gelungen als Witzfigur dar: ein quengeliger, übergewichtiger, sich selbst überschätzender Schauspieler, dessen bessere Zeiten längst vorbei sind. Zudem noch eine Fehlbesetzung für die Rolle des schneidigen und heroischen Filmhelden, die eigentlich für Hans Albers vorgesehen war. Doch der hatte Besseres zu tun.

Bernd Schroeder stellt uns die einzelnen Crewmitglieder vor, in dem er ihnen eigene Kapitel widmet, in denen ihre Herkunft, ihr Werdegang und ihre Gesinnung beleuchtet werden.

Erwartungsgemäß gehen die Mitglieder der Filmcrew nicht gerade zimperlich miteinander um. Konkurrenzgehabe ist an der Tagesordnung. Insbesondere Regisseur und Produktionsleiter sind sich spinnefeind und belauern sich. Der Herr Produktionsleiter gehört zu den Linientreuen in der Crew und überwacht misstrauisch die Gesinnung seiner Kollegen. Der Regisseur Konrad Eisleben hat schon längst seinen Glauben an den Nationalsozialismus verloren - wenn er ihn denn überhaupt jemals hatte. Er sieht sich in der Verantwortung, seine Mitarbeiter vor dem Fronteinsatz zu bewahren, zu dem sie unweigerlich eingezogen werden, sobald ihr filmisches Engagement beendet ist. Daher entwickelt Eisleben nahezu meisterhafte Strategien, um dieses Engagement hinauszuzögern. Er schreibt Rollen um, baut sie aus und macht Mitarbeiter somit unverzichtbar für den Erfolg des Filmes.
"..., dass keiner der Regisseure, mit denen sie gearbeitet habe, so viel Wert auf beste Drehbücher, geschliffene Dialoge, auf Qualität gelegt habe wie er, und nun mühe er sich hier unter seinem Niveau an einer Schmonzette ab, die sich irgendein Arsch im Propagandaministerium ausgedacht habe, möglicherweise Humpelstilzchen selbst. 

Ob sie denn noch immer nicht begriffen habe, dass es hier nicht um filmische Qualität, um Kunst gehe, sondern ums nackte Überleben." (S. 130)
Zu einem authentischen Propagandafilm der Nationalsozialisten gehören natürlich auch Juden. Der Feind braucht schließlich ein Gesicht. Doch wir befinden uns im Jahre 1944. Es gibt keine vorzeigbaren Juden mehr in Deutschland. Die Nazis haben ganze Arbeit geleistet. Und, dass ein Arier einen Juden spielt, ist undenkbar. Also lässt man ein jüdisches Schauspieler-Ehepaar aus dem KZ holen. Und auch hier greifen wieder Eislebens Überlebensstrategien. Das Ehepaar muss erst wieder aufgepäppelt und vorzeigbar gemacht werden, bis es die zugedachten Rollen im Film übernehmen kann. Und das kann dauern ....

Die Handlung dieses Romans wird immer wieder unterbrochen von Berichten über Angriffe der Alliierten und den Schäden, die die deutsche Städte und ihre Bevölkerung dabei davongetragen haben. Und auch wenn jeder auf Goebbels wartet, ist er doch immer präsent. Denn Bernd Schroeder porträtiert den Propagandaminister in mehreren Episoden, die die eigentliche Handlung unterbrechen und skizziert somit das Bild eines eitlen und machtbesessenen Opportunisten.
Diese Unterbrechungen der Handlung sind notwendig und gelungen, rufen sie dem Leser doch in Erinnerung, dass trotz aller Komik, die dieser Roman zu bieten hat, die Geschichte einen ernsten Hintergrund hat.

Fazit:
Dieser Roman hat mich begeistert. Trotz aller Komik ist es doch ein Buch "Gegen das Vergessen". Und das muss ein Autor erst mal hinbekommen: mit viel Witz an ein ernstes Thema heranzugehen und trotzdem respektvoll zu bleiben. Genau das ist Bernd Schroeder gelungen. Ganz großes Kino!

© Renie





Über den Autor:
Bernd Schroeder, geboren 1944 im heute tschechischen Aussig, wuchs im oberbayerischen Fürholzen auf. Er lebt in Berlin. Als Autor und Regisseur zahlreicher Hör- und Fernsehspiele erhielt er 1985 den Adolf-Grimme-Preis und 1992 den Deutschen Filmpreis. Zuletzt erschienen bei Hanser: Hau (Roman, 2006), Alte Liebe (Roman, 2009, mit Elke Heidenreich), Auf Amerika (Roman, 2012), Wir sind doch alle da (Roman, 2015) und Warten auf Goebbels (Roman, 2017). (Quelle: Hanser)